Die Kognitive Verzerrung ist ein Sammelbegriff für Effekte, denen wir unbewusst beim Denken und Entscheiden unterliegen. Sie führen zu systematischen Fehlern in der Bewertung von Situationen.
Mögliche Lösungen werden von uns gar nicht erst erkannt oder wir bewerten die Lösungsoption ohne, dass es uns bewusst wird verzerrt, also nicht so objektiv wie wir es tun könnten. Selbstverständlich würde auch ohne die Kognitive Verzerrung unsere Bewertung immer subjektive bleiben.
Eine Ursache für die Kognitive Verzerrung liegt unter anderem daran, dass wir in uns zwei verschiedene Arten von Denkzentralen haben.
Die eine Denkzentrale bewertet sehr schnell, entscheidet unbewusst, intrinsisch, gefühlsorientiert und im Affekt. Es liegt auf der Hand, dass wir hier nicht alle Optionen bewertet haben, bevor wir urteilen und uns entscheiden. Gut so, denn es sorgt für schnelles Handeln zum Beispiel in gefährlichen Situationen.
Die andere Denkzentrale wird bewusst von uns angeworfen. Sie arbeitet viel langsamer, analytisch, konkret und Affekte werden abgekoppelt. Trotz der analytischen Vorgehensweise bleiben uns die Effekte in abgeschwächter Weise erhalten, vielleicht sogar vielbedeutender. Das liegt daran, dass wir ja gedacht haben, alles bewusst und objektiv entschieden zu haben. (Wer tiefer in die Theorie eintauchen möchte, dem seien die wissenschaftlichen Ausarbeitungen zu diesem Thema von Daniel Kahnemann, Dietrich Dörner und Rüdiger Pohl empfohlen.)
Einige Beispiele für die Kognitive Verzerrung sind hier genannt:
- Die Neigung, Fakten, die der eigenen Überzeugung widersprechen, als Bestätigung der eigenen Überzeugung zu betrachten. -> Wenn Theorie X definitiv falsch ist beweist es, dass meine eigene Theorie richtig sein muss.
- Übermäßige Bevorzugung derjenigen Option, die in Kraft tritt, wenn ein Akteur keine aktive Entscheidung trifft. -> Wenn ich eingreife passiert X oder Y, wenn ich passiv bin trifft z ein.
- Die Tendenz, von bekannten Eigenschaften einer Person auf unbekannte Eigenschaften zu schließen. -> Wer attraktiv aussieht ist sicher auch nett.
- Die fälschliche Wahrnehmung eines Kausalzusammenhangs zweier Ereignisse. -> Weil er nicht angeschnallt war und die Sonne geschienen hat ist der Unfall passiert.
- Die falsche Annahme, zufällige Ereignisse durch eigenes Verhalten kontrollieren zu können. -> System beim Roulette.
- Die Tendenz, Verluste höher zu gewichten als Gewinne. -> Das Risiko 100 Euro zu verlieren wird höher bewertet als die Chance 100 Euro zu gewinnen bei gleicher Wahrscheinlichkeit.
- Rechtfertigung des Erwerbs nach dem Kauf einer wenig sinnvollen Sache. -> kennt jeder nach dem Kauf des fünften Paars Laufschuhe.
Und für unser Thema besonders interessant, die Tendenz, sich für unbeeinflusst zu halten (Verzerrungsblindheit). Wie kann Coaching den Effekt der Kognitiven Verzerrung verringern?
Ein systemischer Coach nimmt die Rolle eines Beobachters ein. Er ist somit nicht Teil des Klientensystems und in einer neutralen Rolle, was ihm ermöglicht, die Schlussfolgerungen des Klienten zu hinterfragen.
Der Coach bringt vielmehr den Klienten dazu einen Perspektivwechsel einzunehmen. Dadurch kann er dem Klienten im Coaching durch den Rollenwechsel in die Lage versetzten, seine eignen „Blind Spots“ zu beleuchten und eine unverzerrte Sicht auf die Situation und neue Lösungsmöglichkeiten bekommen.
Mit einem Augenzwinkern sei bemerkt, dass auch der Coach und der Klient in der Beobachterroller ihres eigenen und des fremden Systems wiederum obengenannten Effekten unterliegen können. Doch das ist der Blind Spot des Beobachters um den es nicht geht.


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