Das Akronym SMART steht für Spezifisch, Messbar, Attraktiv, Realistisch und Terminiert. Das Setzen von SMARTen Zielen ist eine bewährte Methode, eine anstehende Aufgabe klar zu umreißen und somit nachvollziehbar zu machen. Das soll der Motivation und somit dem Erreichen des Zieles dienen.
Die Abkürzung VUCA steht für Volatilität (Unbeständigkeit), Uncertainty (Unsicherheit), Complexity (Komplexität) und Ambiguity (Mehrdeutigkeit). Es beschreibt die schwierigen Rahmenbedingungen mit denen sich Unternehmen heute auseinandersetzten müssen.
Wie funktioniert das zusammen? Passen SMARTE Ziele noch in die Welt von VUCA? Wie kann ein Ziel konkretisiert werden, wenn es durch „VUCA“ beeinflusst scheint?
Der erste Schritt ist es, Ihre bevorstehende Aufgabe auf ihren tatsächlichen Charakter zu untersuchen. Es geht darum zu prüfen, inwieweit die Aufgabe wirklich komplex ist. Denn vieles was uns zunächst komplex erscheint, ist in Wahrheit „nur“ kompliziert. Aber komplizierte Aufgaben sind im Kern vorhersagbar, da Ursache und Wirkung in einem direkten Zusammenhang stehen. Und so wird aus komplex und schwer überschaubar auf einmal kompliziert, aber regelbar.
Ein schönes Beispiel ist der Bau eines Flughafens (Ähnlichkeiten mit Bauvorhaben in der Nähe von Berlin wären reiner Zufall). Weltweit gibt es über 1500 Flughäfen. Man sollte doch meinen, dass es einen hohen Wissens- und Erfahrungsschatz im Flughafenbau gibt. Und trotzdem scheint diese Aufgabe recht herausfordernd und kompliziert zu sein: viele verschiedene Gewerke leisten ihren Anteil, auch wenn die zu erledigenden Aufgaben aus technischer Sicht keine wirkliche Herausforderung darstellen. In der Regel könne sie nach einer „Good Practice Methode“ abgearbeitet werden.
Aber was genau macht denn den Bau eines Flughafens so kompliziert? Es ist der Faktor Mensch, der Komplexität ins Spiel bringt. Gerade bei einem so großen Bauvorhaben gibt es tausende von Betroffenen und Involvierten mit mindestens genau so vielen Meinungen, Ansichten, Wünschen und Vorstellungen, die alle in irgendeiner aber angemessenen Art und Weise berücksichtigt werden müssen Wie verhalten sich Anwohner, wie entscheiden Gerichte, wie stabil sind die Entscheidungen der Auftraggeber? Und so wird eine eigentlich „nur“ komplizierte Aufgabe, zu einer komplexen Herausforderung, die nur schwer vorhersagbar ist. Vielleicht wird sie sogar unrealistisch, weil die zu berücksichtigenden Variablen das vorhandene Budget und sämtliche einkalkulierte Puffer sprengen.
Was bedeutet das nun für unsere Fragestellung? Zunächst muss uns bewusst werden, dass komplexe Aufgaben nicht mehr mit „Good“ oder sogar „Best Practice“ lösbar sind. Alles schreit nun nach „Emergent Practice“. Der walisische Managementberater und Forscher im Bereich Wissensmanagement Dave Snodow hat diese Einteilung in seinem Cynefin Framework ausführlich beschrieben.
Was bedeutet dies nun für die Formulierung unseres SMARTen Zieles? Wir müssen die geforderte Varietät berücksichtigen. Z.B., dass ein Lösungsraum anstelle einer genauen Lösung spezifiziert wird oder die Messbarkeit nicht allein an harten KPIs (Key Performens Indikator) sondern auch an OKRs (“Objectives” und “Key Results) sichergestellt wird.
Auch wird ein Zeitfenster anstatt eins kaum vorhersagbaren Datums terminiert. Bei einer geforderten Dead Line werden Ressourcen nachgesteuert oder gegebenenfalls der Lösungsraum angepasst. Während der Abarbeitung der Aufgabe wird reflektiert, wie realistisch unser Ziel noch ist, also geprüft, ob die Zielerreichung noch aus eigener Kraft beeinflusst werden kann. Mit Annäherung an das Ziel lassen wird der Lösungsraum immer enger. Somit lässt sich dann auch die Zielbeschreibung weiter konkretisieren.
Ein weiteres Hilfsmittel ist es, die Ziele noch klarer in Teilaufgaben zu unterteilen, die dann „komplexitätsreduziert“ in Sprints abgearbeitet werden können.
Durch diese Vorgehensweise wird vorhersehbare Frustration vermieden, die Motivation bleibt erhalten und unser Ziel somit attraktiv. Wichtig hierbei ist, dass diese Maßnahmen nicht dazu führen, dass die erlaubten Spielräume als Anreiz gesehen werden, sich an der unteren Grenze zu bewegen. Ein entsprechend attraktives Belohnungssystem wirkt diesem Effekt entgegen.
Beachtet man diese Punkte, bleibt die SMATRe Zieldefinition ein geeignetes Mittel, um auch in der VUCA Welt eigene Ziele oder die der Mitarbeiter zu beschreiben.


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